Immobilien kaufen, vermieten, Rendite kassieren – das klassische Modell kennt jeder. Aber was, wenn das Budget nicht reicht, die Finanzierung schwierig ist oder Sie einfach nach einem smarteren Einstieg suchen ? Es gibt eine ganze Reihe alternativer Investmentmodelle, die in Deutschland noch relativ wenig bekannt sind, in anderen Ländern aber seit Jahrzehnten funktionieren. Leibrente, Nießbrauch, Mietkauf, Erbbaurecht – klingt erstmal sperrig, kann aber in der richtigen Situation richtig sinnvoll sein.
Was Deutschland von Frankreichs Immobilienmodellen lernen kann

Besonders spannend finde ich, dass einige dieser Modelle gerade in Frankreich schon viel etablierter sind als bei uns. Der sogenannte „Viager“ – im Grunde die französische Leibrente – ist dort ein ganz normaler Weg, Immobilien zu kaufen und zu verkaufen. Wer sich dafür interessiert, wie das in der Praxis aussieht, findet auf https://www.ventes-en-viager.fr einen guten Einblick in den französischen Markt. Aber schauen wir uns erstmal an, welche Modelle es gibt und für wen sie sich lohnen.
Leibrente : Immobilie kaufen, in Raten auf Lebenszeit zahlen
Das Prinzip ist relativ einfach. Sie kaufen eine Immobilie von jemandem – meistens einer älteren Person – und zahlen dafür keine einmalige Summe, sondern eine monatliche Rente. Und zwar so lange, wie der Verkäufer lebt. Dazu kommt in der Regel eine Einmalzahlung bei Vertragsschluss, das sogenannte „Bouquet“.
Der Vorteil für den Käufer : Sie brauchen keinen klassischen Bankkredit. Die Einstiegssumme ist oft deutlich niedriger als bei einem normalen Kauf. Der Vorteil für den Verkäufer : Er bekommt eine regelmäßige Rente und kann – je nach Vereinbarung – in der Immobilie wohnen bleiben.
Klingt nach einem guten Deal ? Kann es sein. Aber das Risiko liegt auf der Hand : Niemand weiß, wie lange der Verkäufer lebt. Im besten Fall zahlen Sie zehn Jahre lang und haben dann eine Immobilie weit unter Marktwert. Im schlechtesten Fall zahlen Sie 25 Jahre und hätten mit einem normalen Kauf deutlich besser abgeschnitten.
In Deutschland ist die Leibrente ein Nischenmodell. Es gibt sie, aber sie wird selten angeboten und noch seltener aktiv gesucht. Die rechtliche Grundlage liefert das BGB (§§ 759–761), die steuerliche Behandlung ist komplex – der Rentenanteil wird beim Verkäufer als Einkommen besteuert, der Ertragsanteil hängt vom Alter bei Vertragsschluss ab.
Mein Eindruck : Für Investoren mit Geduld und einer gewissen Risikobereitschaft kann das Modell funktionieren. Aber es erfordert eine sehr genaue Kalkulation und idealerweise juristische Beratung.
Nießbrauch : Eigentum übertragen, Nutzung behalten

Der Nießbrauch ist kein Kaufmodell im eigentlichen Sinne, sondern ein Recht. Der Eigentümer überträgt die Immobilie – zum Beispiel an seine Kinder – behält aber das Recht, sie zu nutzen oder die Mieteinnahmen zu kassieren. Erst wenn der Nießbrauch erlischt (meistens beim Tod des Berechtigten), geht die volle Verfügungsgewalt auf den neuen Eigentümer über.
Warum ist das für Investoren relevant ? Weil Immobilien mit eingetragenem Nießbrauch oft deutlich unter Marktwert angeboten werden. Logisch – Sie kaufen etwas, das Sie erstmal nicht nutzen können. Aber wenn die Rechnung stimmt, kann der Abschlag den Kauf sehr attraktiv machen.
Ein Beispiel : Eine Wohnung hat einen Verkehrswert von 300.000 Euro. Der Nießbrauch wird auf Basis des Alters des Berechtigten und der zu erwartenden Nutzungsdauer berechnet. Ist der Nießbraucher 75 Jahre alt, liegt der Wert des Nießbrauchs vielleicht bei 80.000 bis 100.000 Euro. Sie zahlen also rund 200.000 Euro für eine Immobilie, die 300.000 wert ist – vorausgesetzt, Sie können warten.
Steuerlich ist der Nießbrauch auch bei Schenkungen innerhalb der Familie ein beliebtes Werkzeug. Der Wert der Schenkung wird um den Nießbrauchwert gemindert, was die Schenkungsteuer reduziert. Kein Geheimnis unter Steuerberatern, aber vielen Privatpersonen nicht bekannt.
Für wen lohnt sich das ? Für langfristig denkende Investoren, die keinen sofortigen Cashflow brauchen. Oder für Familien, die Vermögen steueroptimiert übertragen wollen.
Mietkauf : Erst mieten, dann kaufen
Beim Mietkauf zahlen Sie zunächst Miete, und ein Teil dieser Miete wird auf den späteren Kaufpreis angerechnet. Nach einer vereinbarten Laufzeit – häufig 10 bis 25 Jahre – geht die Immobilie in Ihr Eigentum über. Klingt unkompliziert, oder ?
In der Theorie ja. In der Praxis ist der Mietkauf in Deutschland ein Modell mit Tücken. Die monatlichen Raten liegen oft über der Marktmiete, weil eben ein Kaufanteil drin steckt. Und wenn Sie mittendrin aussteigen – aus welchem Grund auch immer – verlieren Sie in der Regel den angesparten Kaufanteil. Das ist bitter.
Hinzu kommt : Die Gesamtkosten sind beim Mietkauf fast immer höher als bei einem klassischen Kauf mit Bankfinanzierung. Die Zinsen sind quasi eingepreist, aber nicht transparent. Und nicht alle Vertragsmodelle sind seriös – schwarze Schafe gibt es in dem Bereich leider durchaus.
Ich würde den Mietkauf wirklich nur empfehlen, wenn eine Bankfinanzierung absolut nicht möglich ist – etwa weil die Bonität nicht ausreicht oder kein Eigenkapital vorhanden ist. Und selbst dann : den Vertrag unbedingt von einem Anwalt prüfen lassen.
Erbbaurecht : Bauen auf fremdem Grund

Beim Erbbaurecht kaufen Sie nicht das Grundstück, sondern nur das Recht, darauf zu bauen und das Gebäude zu nutzen. Das Grundstück bleibt Eigentum des Erbbaurechtgebers – oft eine Gemeinde, eine Kirche oder eine Stiftung. Dafür zahlen Sie einen jährlichen Erbbauzins, typischerweise zwischen 3 und 5 Prozent des Grundstückswerts.
Der Vorteil : Die Einstiegskosten sind niedriger, weil das Grundstück nicht gekauft werden muss. In teuren Städten wie München, Frankfurt oder Hamburg kann das einen erheblichen Unterschied machen.
Der Nachteil : Sie sitzen auf fremdem Grund. Der Erbbauzins kann – je nach Vertrag – angepasst werden. Und wenn der Vertrag nach 60 oder 99 Jahren ausläuft, fällt das Gebäude unter Umständen an den Grundstückseigentümer zurück, auch wenn Sie dafür eine Entschädigung erhalten.
Für Eigennutzer in teuren Städten kann Erbbaurecht sinnvoll sein. Als reines Investmentmodell finde ich es eher schwierig, weil der fehlende Grundstücksbesitz die Wertsteigerung begrenzt und den Wiederverkauf komplizierter macht.
Teilverkauf : Das neueste Modell auf dem Markt
In den letzten Jahren sind Anbieter wie Wertfaktor, Deutsche Teilkauf oder Engel & Völkers LiquidHome aufgetaucht, die sogenannte Teilverkaufsmodelle anbieten. Das Prinzip : Sie verkaufen einen Teil Ihrer Immobilie – zum Beispiel 50 Prozent – an ein Unternehmen und erhalten dafür eine Einmalzahlung. Sie wohnen weiter drin und zahlen dafür ein monatliches Nutzungsentgelt.
Für Investoren ist das weniger relevant – es richtet sich primär an ältere Eigentümer, die Kapital freisetzen wollen, ohne auszuziehen. Aber es lohnt sich, das Modell zu kennen, weil es den Markt verändert und zunehmend Immobilien auf diesem Weg gehandelt werden.
Die Kritik an den Modellen ist allerdings nicht unberechtigt. Die Nutzungsentgelte liegen oft bei 3 bis 5 Prozent des ausgezahlten Betrags pro Jahr, was sich über die Jahre summiert. Verbraucherschützer warnen vor intransparenten Kosten und ungünstigen Vertragsbedingungen. Wenn Sie als Investor darüber nachdenken, eine teilverkaufte Immobilie zu erwerben – sehr genau hinschauen.
Welches Modell passt zu welchem Profil ?

Leibrente : Für geduldige Investoren mit Risikobereitschaft, die unter Marktwert kaufen wollen und keinen sofortigen Zugriff auf die Immobilie brauchen.
Nießbrauch : Ideal für langfristige Strategien und Familienübertragungen. Auch als Investment möglich, wenn der Abschlag stimmt.
Mietkauf : Eher ein Notfall-Modell für Käufer ohne Bankfinanzierung. Als Investment nicht wirklich geeignet.
Erbbaurecht : Sinnvoll für Eigennutzer in teuren Lagen. Für reine Kapitalanleger eher schwierig.
Teilverkauf : Primär ein Produkt für Verkäufer, nicht für Käufer. Kann aber interessante Kaufgelegenheiten schaffen.
Worauf Sie bei alternativen Modellen achten sollten
Vertragsprüfung ist Pflicht. Kein einziges dieser Modelle sollten Sie ohne anwaltliche Prüfung abschließen. Die Verträge sind komplex, die Fallstricke real.
Steuerberater einbeziehen. Die steuerliche Behandlung unterscheidet sich je nach Modell erheblich. Was bei der Leibrente als Einkommen gilt, ist beim Nießbrauch eine Schenkung – und beim Mietkauf nochmal anders.
Kalkulieren Sie konservativ. Gerade bei der Leibrente ist die Versuchung groß, optimistisch zu rechnen. Tun Sie das nicht. Rechnen Sie mit dem längsten realistischen Szenario, nicht mit dem kürzesten.
Kennen Sie den Markt. Alternative Modelle funktionieren am besten, wenn Sie den lokalen Immobilienmarkt verstehen. Ein Nießbrauch-Deal in einer schrumpfenden Region ist etwas anderes als in einer wachsenden Großstadt.
Alternative Immobilieninvestments sind kein Geheimtipp mehr – aber sie sind auch kein Selbstläufer. Wer die Modelle versteht, sauber kalkuliert und sich professionell beraten lässt, findet hier echte Chancen. Wer blind einsteigt, riskiert teure Überraschungen. Wie bei jeder Investition gilt : Wissen schlägt Hoffnung.


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